Die ersten Begegnungen von Karl Marx mit der Philosophie Immanuel Kants

CON-TEXTOS KANTIANOS.

International Journal of Philosophy

N.o 8, Diciembre 2018, pp. 17-27

ISSN: 2386-7655

Doi: 10.5281/zenodo.2300268


Die ersten Begegnungen von Karl Marx mit der Philosophie Immanuel Kants

Karl Marx‘ First Encounters with the Philosophy of

Immanuel Kant


MICHAEL HEINRICH


Hochschule für Technik und Wirtschaft zu Berlin, Deutschland


Zusammenfassung

Der vorliegende Aufsatz untersucht die Rolle, die für den jungen Marx die Begegnung mit Kants Philosophie spielt. Anhand von Briefen, Exzerpten und biographische Details wird dokumentiert, dass Marx schon sehr früh in seiner Studienzeit sich mit Kants Philosophie auseinandergesetzt hat, die berühmte Diskussion des Gottesbeweises in der Kritik der reinen Vernunft eingeschlossen. Schon da erscheint Marx' Interesse an der Analyse der Gesellschaft, die sich später als Kritik der politischen Ökonomie kristallisieren wird.

Stichwörter

Karl Marx, Rechtsphilosophie, Marx-Biographie, Idealismus, ontologischer Gottesbeweis.

Abstract

The present paper examines the role that the confrontation with Kant’s philosophy played for the young Marx. Based on letters, excerpts and biographical details, Marx‘ discussion of Kant since his very early study years is documented, including his reflections on the famous proof of God’s existence in the Critique of pure reason. Marx‘s interest in the analysis of society is already present then, and will later evolve to crystallize in the critique of political economy.

Keywords

Karl Marx, Philosophy of Right, Marx‘ Biography, Idealism, ontological argument.


  • Former Political Economy Professor in Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, [email protected]


[Recibido: 14 de octubre 2018 17

Aceptado: 29 de octubre 2018]


Michael Heinrich


Vorbemerkung


Während im marxschen Werk der direkte wie auch der indirekte Bezug auf die hegelsche Philosophie sehr deutlich ist, was immer wieder neue Debatten über den Charakter dieses Bezugs veranlasst hat, ist die Beziehung zur Philosophie Kants alles andere als offensichtlich. Es bedarf schon einer gewissen Dechiffrierung, um solche Bezüge aufzuzeigen, die dann aber durchaus interessante Ergebnisse liefern können. Es sei hier nur an Vesa Oittinens Aufsatz „Commodity Fetishism as a Transcendental Illusion? From Kant to Marx and Back“ (Oittinen 2017) erinnert. Im vorliegenden Papier will ich mich jedoch nicht auf die Suche nach kantianischen Problematiken in Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie machen, ich will vielmehr den allerersten Begegnungen nachspüren, die Marx mit dem Werk Kants hatte. Vor allem durch die Arbeit am ersten Band meiner Marx-Biographie (Heinrich 2018) wurde mir die Bedeutung dieses Abschnitts in der frühen intellektuellen Entwicklung von Marx deutlich.

  1. Der Einfluss des Vaters Heinrich Marx


    Die erste Bekanntschaft mit der Philosophie Kants machte Karl Marx wahrscheinlich durch seinen Vater Heinrich Marx (1777-1838). Dieser war in Trier ein hochgeachteter Anwalt, auch der Trierer Oberbürgermeister Wilhelm Haw gehörte zu seinen Mandanten (Heinrich 2018: 78). Über die Ausbildung von Heinrich Marx wissen wir jedoch nicht viel. 1813, am Ende der napoleonischen Zeit, erwarb er in der Rechtsschule von Koblenz, das damals unter französischer Herrschaft stand, das „Certificat de Capacité“, den niedrigsten der dort angebotenen Abschlüsse“ (Monz 1979: 133). Allerdings gab Heinrich Marx in einem Schreiben an den Präfekten Keverberg (abgedruckt bei Schöncke 1993: 193) an, dass er bereits früher in Berlin studiert habe.1

    In Berlin kann er sich neben juristischen auch philosophische Kenntnisse angeeignet haben. Die Bildung von Heinrich Marx ging jedenfalls weit über seine juristischen Fachkenntnisse hinaus. Karl Marx‘ Tochter Eleanor beschrieb Heinrich Marx als einen Mann „durchdrungen von den französischen Ideen des 18. Jahrhunderts über Religion,


    1 Jonathan Sperber versucht in seiner Marx-Biographie Heinrich Marx als Lügner hinzustellen: dieser habe fälschlicherweise behauptet, „er habe, ehe die Universität Berlin überhaupt gegründet war, in Berlin Jura studiert“ (Sperber 2013: 28). In der Tat wurde die Berliner Universität erst 1810 gegründet und die Aussage von Heinrich Marx, dass er sich in Berlin zu „Studien“ aufgehalten habe, bezieht sich sehr wahrscheinlich auf das Jahr 1807. Dies ist aber nur ein Teil der historischen Fakten. Nach der preußischen Niederlage von 1806 besetzten die Franzosen Halle und schlossen die dortige Universität, die bis dahin für die Ausbildung der preußischen Beamten eine zentrale Rolle gespielt hatte. Viele Professoren übersiedelten daraufhin nach Berlin und nahmen dort noch vor der offiziellen Universitätsgründung den Lehrbetrieb auf. Theodor Schmalz (1760-1830), der spätere Gründungsrektor der Berliner Universität, hielt seit 1807 juristische Vorlesungen. Die bei Köpke (1860: 141) aufgeführten Vorlesungspläne aus dieser Zeit machen deutlich, dass es sich um juristische Fachvorlesungen gehandelt hat. In Berlin waren juristische Studien also auch schon Jahre vor Gründung der Universität möglich. Von 1806 bis 1808 war Berlin von französischen Truppen besetzt, daher konnte auch Heinrich Marx, damals noch französischer Bürger (Trier war zu dieser Zeit Französisch) in Berlin Studien betreiben, ohne dass er Probleme mit preußischen Behörden zu fürchten hatte.

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    Wissenschaft und Kunst“ (E. Marx 1883: 32). Insofern verwundert es nicht, dass Heinrich Marx einige Kenntnisse der Kantischen Philosophie gehabt haben muss, was aus den Briefen hervorgeht, die er an seinen in Bonn und Berlin studierenden Sohn Karl geschrieben hat. Was Heinrich in einem Brief vom 12./14. August 1837 als Prinzip der Lebensführung beschreibt, kann man durchaus als eine Übersetzung der Kantischen Pflichtethik ins alltägliche Leben auffassen:

    Die erste aller menschlichen Tugenden ist die Kraft und der Wille sich zu opfern, sein Ich hintanzusetzen, wenn Pflicht, wenn Liebe es gebeut, und zwar nicht jene glänzenden, romantischen oder heldenmüthigen Aufopferungen das Werk eines schwärmerischen oder heroischen Augenblicks. Dazu ist selbst der größte Egoist fähig, denn grade das Ich glänzt alsdann hoch. Nein jene täglich und stündlich wiederkehrenden Opfer sind es, die aus dem reinen Herzen des guten Menschen, des liebenden Vaters, der zärtlichen Mutter, der liebenden Gatten, des dankbaren Kindes entspringen, welche dem Leben den einzigen Reiz verleihen, und es trotz aller Widerwärtigkeiten verschönern. (MEGA III/1: 312, Hervorhebung von H. Marx)

    Es gibt allerdings auch einen ganz direkten Hinweis auf Heinrich Marx‘ Kenntnisse der kantischen Philosophie. In einem an seinen Sohn Karl gerichteten Brief vom 18.-29. November 1835 erwähnt Heinrich beiläufig die Kantsche Anthropologie, als er sein Unverständnis über ein von Karl erhaltenes Gedicht2 ausdrückt:

    Dein Gedicht habe ich buchstabirend gelesen. Ich gestehe Dir ganz unumwunden, lieber Karl, ich verstehe es nicht, weder dessen wahren Sinn, noch dessen Tendenz. Im gemeinen Leben ist es ein unbestrittener Satz, daß mit der Erfüllung der heißesten Wünsche der Werth des Gewünschten sehr abnimmt und öfters ganz aufgehoben wird. Das wolltest Du wohl nicht sagen. Das wäre auch höchstens als moralischer Grundsatz beherzigenswerth, weil man durch diesen Gedanken geleitet, unmoralische Genüsse verscheucht, und selbst Erlaubte verschiebt, um in der Aufschiebung den Wunsch festzuhalten, oder gar einen erhöhten Genuß. Etwas dergleichen sagt g[la]ub ich Kant in seiner Anthropologie. (MEGA III/1: 291f.; MEW 40: 618)

    Bei Kant heißt es in der „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“:


    Junger Mann! Versage Dir die Befriedigung (der Lustbarkeit, der Schwelgerei, der Liebe u.d.g.), wenn auch nicht in der stoischen Absicht, ihrer gar entbehren zu wollen, sondern in der feinen epikurischen, um einen immer noch wachsenden Genuß im Prospekt zu haben. Dieses Kargen mit der Barschaft deines Lebensgefühls macht dich durch den Aufschub des Genusses wirklich reicher, wenn Du auch dem Gebrauch derselben am Ende deines Lebens großenteils entsagt haben solltest. (ApH AA 165)


    2 Nach dem, was Heinrich Marx schreibt, könnte es sich vielleicht um das Gedicht „Wunsch“ (MEGA I/1: 718-720) gehandelt haben.

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    Gerade die Beiläufigkeit, mit der Heinrich Marx auf Kant verweist, lässt vermuten, dass seine Kenntnisse noch weit umfangreicher waren und dass die kantische Philosophie auch schon häufiger im Gespräch mit Karl zum Thema geworden war. Wahrscheinlich hat Karl Marx bereits als Abiturient über erste, elementare Kenntnisse zumindest von Teilen der Philosophie Kants verfügt.

  2. Karl Marx‘ Brief vom 10. November 1837


    Aus der Studienzeit von Karl Marx sind fast alle Briefe, die er geschrieben hat, verloren gegangen. Neben einer kurzen Mitteilung an seinen Freund Adolf Rutenberg (1808-1869) 3 ist lediglich ein einziger, allerdings recht ausführlicher Brief vom 10. November 1837 an seinen Vater erhalten geblieben und dort kommt Kant gleich mehrfach vor.


    Karl Marx hatte im Sommer 1835 im Alter von 17 Jahren die Abiturprüfung abgelegt und im Oktober des gleichen Jahres in Bonn – von Trier aus die nächst gelegene preußische Universitätsstadt – das Studium der Rechtswissenschaften aufgenommen. Nach zwei Semestern wechselte Marx 1836 an die Berliner Universität, damals nicht nur die bedeutendste preußische, sondern auch die bedeutendste deutsche Universität. Sowohl in Bonn als auch in Berlin belegte Marx nicht nur einschlägige rechtswissenschaftliche Vorlesungen, sondern auch Seminare über Kunstgeschichte, Philosophie und Anthropologie, was in der damaligen Zeit keineswegs ungewöhnlich war.4 Im Gegensatz zu heute sollte ein Universitätsstudium damals nicht bloß ein eng umgrenztes Fachwissen vermitteln, sondern auch zur Bildung beitragen.

    Im Sommer 1837 hatte Heinrich Marx von seinem Sohn bereits mehrfach einen Report über seine Studienfortschritte angefordert. Mit dem Wintersemester 1837/38 war Karl im 5. Semester angelangt; wenn man berücksichtigt, dass die damals übliche Studiendauer ca. 6 Semester betrug, ist klar, dass den Vater interessierte, wie weit sein Sohn inzwischen gekommen war, ob er sein Studium tatsächlich mit dem 6. Semester beenden konnte oder ob vielleicht noch ein weiteres Semester erforderlich war. Das Studium stellte für die Familie eine enorme finanzielle Belastung dar, ein Semester mehr oder weniger war daher keine Kleinigkeit. In jenem Brief vom 10. November gibt Karl einen Überblick, der jedoch weniger von den besuchten Vorlesungen handelt, als von seinen eigenen Studien. Unter anderem berichtet er, das er auf „300 Bogen“ (wahrscheinlich meinte er Seiten, unter einem „Bogen“ verstand man zu dieser Zeit normalerweise einen Druckbogen zu 16 gedruckten Seiten) eine Rechtsphilosophie formuliert habe, der er als Einleitung eine „Metaphysik des Rechts“ vorangestellt habe (MEGA III/1: 10; MEW 40: 5). Bereits diese Bezeichnung erinnert an Kants


    3 Dieser spät aufgefundene Brief ist in keiner Werkausgabe enthalten, er ist abgedruckt bei Hundt (1994).

    4 Ausführlich gehe ich in im ersten Band meiner Marx-Biographie sowohl auf die von Marx

    besuchten Vorlesungen als auch auf die jeweiligen Dozenten ein (Heinrich 2018: 142ff.; 193ff.)

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    „Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre“, den ersten Teil seiner 1797 erschienenen

    „Metaphysik der Sitten“. Marx stellt den Bezug zu Kant aber auch explizit her. Mit seinem eigenen Entwurf zutiefst unzufrieden, schrieb er an seinen Vater, am Ende „sah ich die Falschheit des Ganzen, das im Grundschema an das Kantische grenzt, in der Ausführung gänzlich davon abweicht“ (MEGA III/1: 15, MEW 40: 7).

    Es ist bemerkenswert, dass sich der junge Marx Anfang 1837 zwar mit der kantschen Rechtsphilosophie auseinandergesetzt hatte, aber offensichtlich noch nicht mit der hegelschen. Zumindest wird letztere im ganzen Brief nicht erwähnt, obgleich sein grundsätzlicher Übergang zur Hegelschen Philosophie ein wichtiges Thema in diesem Brief ist. Ein Grund für die zunächst erfolgte Vernachlässigung der hegelschen Rechtsphilosophie dürfte im Marxschen Studienverlauf liegen. An der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität war Eduard Gans (1797-1839) der hervorragendste Vertreter des Hegelianismus. In seiner regelmäßig gehaltenen Vorlesung über Naturrecht und Universalrechtsgeschichte (sie wurde aus verschiedenen Mitschriften von Johann Braun rekonstruiert, siehe Gans 1997) fand sich eine bedeutende Konkretisierung und Fortsetzung von Hegels Rechtsphilosophie. Diese Vorlesung, die Gans auch im Wintersemester 1836/37 anbot als Marx nach Berlin kam, wurde von diesem jedoch nicht belegt. In Bonn hatte er Naturrecht bereits bei Eduard Böcking (1802-1870) gehört, einem Schüler Friedrich Carl von Savignys (1779-1861), des konservativen und hegelkritischen Gegenspielers von Gans in Berlin. Bei Gans hörte Marx im Wintersemester 1836/37 lediglich Kriminalrecht, bei Savigny jedoch dessen berühmte Vorlesung über die Pandekten (eine spätantike Sammlung römischer Rechtssätze). D.h. Marx allererster Zugang zur Rechtswissenschaft war offensichtlich nicht von Hegel, sondern von Kant und der historischen Rechtsschule von Savigny bestimmt.

    Im Brief vom 10. November wird Kant aber auch noch in einem anderen Zusammenhang erwähnt. Marx erste Leidenschaft gehörte in den Jahren 1835-37 eindeutig der Dichtung. Er schrieb eine Vielzahl von Gedichten, auch das Fragment eines Romans sowie eines Dramas sind erhalten geblieben. In der MEGA machen diese poetischen Versuche ca. 300 Druckseiten aus – und dabei handelt es sich nur um einen Teil der marxschen Dichtungen, im Herbst 1837 hatte er viele Entwürfe verbrannt (MEGA III/1: 16f.; MEW 40: 9). Trotz Jurastudium scheint der erste Berufswunsch des jungen Marx wohl eher Dichter als Jurist gewesen zu sein. Im Jahr 1837 begann er allerdings an seinen Dichtungen zu zweifeln, sie kommen ihm „idealistisch“ vor, womit er meinte, dass sie dem schlechten Sein ein abstrakt konstruiertes (ideales) Sollen gegenüberstellen würden. Einen solchen Idealismus erkennt Marx nun als ungenügend, philosophisch schlägt er einen neuen Weg ein. Im Brief an den Vater schreibt er dazu: „Von dem Idealismus, den ich beiläufig gesagt, mit kantischem und fichte’schem verglichen und genährt, gerieth ich dazu, im Wirklichen selbst die Idee zu suchen. (MEGA III/1: 15f.; MEW 40: 8)“.

    Mit dem Vorhaben „im Wirklichen selbst die Idee zu suchen“ begibt sich Marx in Richtung Hegel, was eine bedeutsame Wendung ausdrückt. Nur wenige Monate vor


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    seinem Brief hatte Marx die Hegelsche Philosophie geradezu verachtet. In seinen wahrscheinlich Anfang 1837 entstandenen Hegel-Epigrammen wollte Marx das Ungenügen der hegelschen Philosophie in humoristischer Weise darstellen. Im dritten Epigramm heißt es (das dort sprechende „ich“ ist nicht Marx, sondern Hegel):

    Kant und Fichte gern zum Aether schweifen Suchten dort ein fernes Land.

    Doch ich such‘ nur tüchtig zu begreifen,


    Was ich – auf der Strasse fand! (MEGA I/1: 644: MEW 40: 608)


    Hegel wurde hier offensichtlich deshalb abgelehnt, weil er im Vergleich mit Kant und Fichte zu wenig idealistisch war. Das, was im Epigramm als Suche auf der Straße verhöhnt wurde, wird dagegen jetzt als neue Orientierung – im Wirklichen die Idee zu suchen – geschätzt.

    Dass der junge Marx dem „Idealismus“ von Kant und Fichte die hegelsche Philosophie als nicht-idealistisch gegenüberstellt, mag uns heute merkwürdig erscheinen, haben wir uns doch daran gewöhnt, Kant, Fichte, Hegel (und Schelling) als Repräsentanten des „Deutschen Idealismus“ zu sehen. In der Zeit als Marx dies schrieb, war dieser Begriff aber noch nicht einmal geprägt. Zwar wird er von Marx und Engels in der „Heiligen Familie“ (MEW 2: 132) und der unveröffentlicht gebliebenen „Deutschen Ideologie“ 1845/46 (MEGA I/5: 804; MEW 3: 14) beiläufig und in einem sehr weiten Sinn benutzt, im heute gebräuchlichen Sinn hat er sich aber erst seit den 1860er Jahren durchgesetzt, wie Walter Jaeschke (2000) zeigte. Zwei von mir zu Rate gezogene Konversationslexika aus den 1840er Jahren bestätigen diesen Befund. Unter dem Eintrag „Idealismus“ wird in beiden Werken betont, dass man zwar die kantische und die fichtesche Philosophie als

    „Idealismus“ bezeichnen könne, aber keineswegs die hegelsche (vgl. Heinrich 2018: 178f.).

  3. Dissertation


Im Brief an den Vater hatte Marx erwähnt (MEGA III/1: 15), dass er sich zur Angewohnheit gemacht habe, Bücher nicht nur zu lesen, sondern auch Exzerpte anzufertigen – diese Angewohnheit sollte Marx bis an sein Lebensende beibehalten. Auch aus seiner Berliner Studienzeit sind einige Exzerpte erhalten. Die 1839/40 entstandenen

„Hefte zur epikureischen Philosophie“ dienten unmittelbar der Ausarbeitung seiner Dissertationsschrift „Differenz der epikureischen und demokritischen Naturphilosophie“, die sogenannten „Berliner Hefte“ von 1840/41 enthalten vor allem Exzerpte zu Aristoteles, Leibniz, Hume und Spinoza und dienten wahrscheinlich der Vorbereitung auf die mündliche Doktorprüfung in Berlin. Da Marx seine Dissertation in Jena einreichte und dort

„in absentia“ promovierte (ein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland keineswegs ungewöhnliches Verfahren), konnte er eine mündliche Prüfung jedoch

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umgehen. Zu Kant existieren keine Exzerpte, lediglich zu einem Buch von Rosenkranz über die Geschichte der Kantschen Philosophie existieren ein paar wenige Notizen. Das heißt aber nicht, dass Marx Kant nicht studiert hätte. Wie Schmidt (1980: 264-266) anhand der Hefte zur epikureischen Philosophie und der Dissertation deutlich machte, verfügte Marx über eingehende Kenntnisse verschiedener aristotelischer Werke, es sind aber nur Exzerpte aus „De Anima“ erhalten. Ein Teil der Exzerpte muss also verloren gegangen sein.


Auch in der Dissertation spielt Kant eine Rolle. Peter Fenves (1986) stellte sogar die These auf, dass die Gegenüberstellung von Demokrit und Epikur in der marxschen Dissertation lediglich eine maskierte Konfrontation von Kant und Hegel sei. Allerdings ist seine Argumentation nicht sehr überzeugend, sie entspringt vor allem einem sehr vereinfachten Bild sowohl von Hegel als auch von Kant.

In Marx' Dissertation findet sich jedoch ein expliziter Bezug auf Kant. Um den Kontext dieses Bezugs zu verstehen, muss ich kurz auf die überlieferte Textgestalt von Marx' Dissertation eingehen. Diejenige Fassung der Dissertation, die Marx an die Universität Jena geschickt hatte, um den Doktortitel zu erwerben, konnte nicht mehr aufgefunden werden. Erhalten geblieben ist lediglich eine Abschrift der Dissertation von unbekannter Hand, die offensichtlich der Vorbereitung einer Veröffentlichung diente, zu der es aber nie kam. Für diese Fassung war auch ein Anhang „Kritik der plutarchischen Polemik gegen Epikurs Theologie“ vorgesehen. Für das eigentliche Dissertationsthema, den Vergleich der Naturphilosophie Demokrits mit derjenigen von Epikur, war dieser Anhang irrelevant, daher gehörte er wahrscheinlich nicht zu der in Jena eingereichten Fassung der Dissertation. In der Abschrift fehlt der Text des Anhangs, lediglich die Anmerkungen zum ersten Teil des Anhangs sind erhalten. Im Inhaltsverzeichnis der Dissertation sind allerdings die Gliederungspunkte des Anhangs enthalten, so dass sich sein Inhalt mit Hilfe der in den „Heften zur epikureischen Philosophie“ enthaltenen Bemerkungen zu Plutarch grob rekonstruieren lässt. In der Vorrede der für den Druck vorbereiteten Fassung der Dissertation kritisierte Marx Plutarchs Versuch, die Philosophie von der Religion beurteilen zu lassen (MEGA I/1: 14; MEW 40: 262) – der selbe Versuch war auch im zeitgenössischen Preußen unternommen worden und hatte zu heftigen Debatten geführt. Der von Marx skizzierte Anhang zielte also unmittelbar auf ein damals aktuelles Thema.

Vielleicht hatte Marx sogar vorgehabt, diesen Anhang in einer Weise zuzuspitzen, wie er es gegenüber dem in Bonn lehrenden Theologen Immanuel Hermann Fichte (1796- 1879), dem Sohn von Johann Gottlieb Fichte, geäußert hatte. In einem Brief vom 24. Juli 1841 schrieb Fichte an den mit ihm befreundeten Theologen Christian Hermann Weiße (1801-1866), dass ein „Neuhegelianer“, ein Dr. Marx, sich in Bonn als Privatdozent habilitieren und ihn (Fichte) stürzen wolle. Fichte weiter: „Obiger Marx läßt nach seiner Erklärung, ein Buch in Leipzig (probablement bei O. Wigand), drucken, dessen Schluß lauten soll: ‚Aus allem bisherigen folgt, daß es absurd sei noch an Gott zu glauben!‘ “ (zit.


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n. Schöncke 2002: 282).Bei diesem geplanten Buch, das nie gedruckt wurde, kann es sich eigentlich nur um die marxsche Dissertation gehandelt haben.

Für die marxsche Kantrezeption in dieser Zeit ist insbesondere die letzte der Fußnoten zu dem verlorenen Anhang aufschlussreich. Dort kommt Marx auch auf die Debatte über die Gottesbeweise zu sprechen. Interessant ist dabei sein Umgang mit Kants Kritik am ontologischen Gottesbeweis. Dieser besagte, dass aus der Vorstellung eines vollkommenen Wesens auf dessen Existenz geschlossen werden könne, denn ohne Existenz sei dieses Wesen nicht vollkommen. Dagegen hatte Kant bestritten, dass durch die bloße Existenz einer Sache an ihrer Begriffsbestimmung irgendetwas geändert werde:

„… es kann daher zu dem Begriff, der bloß die Möglichkeit ausdrückt, darum, daß ich diesen Gegenstand als schlechthin gegeben (durch den Ausdruck: er ist) denke, nichts weiter hinzukommen. Und so enthält das Wirkliche nichts mehr als das bloß Mögliche. Hundert wirkliche Taler enthalten nicht das Mindeste mehr als hundert mögliche“. (KrV AA A599-B627) Hundert Taler bleiben (ihren begrifflichen Bestimmungen nach) hundert Taler, ob sie nun existieren oder ob ich sie mir nur vorstelle. Unter einem rein logischen Gesichtspunkt ist das kantsche Argument nicht anzugreifen: aus Gründen der begrifflichen Bestimmung kann ich nicht auf die Existenz einer Sache schließen, somit beruht der ontologische Gottesbeweis auf einem logischen Fehlschluss. Auch Marx will die kantische Kritik am ontologischen Gottesbeweis nicht widerlegen, allerdings geht er über sie hinaus, indem er sie in ein neues Koordinatensystem stellt. Die Gottesbeweise würden nämlich, so Marx, auf „hohle Tautologien“ hinauslaufen:

… z. B. der ontologische Beweis hiesse nichts als: ‚was ich mir wirklich (realiter) vorstelle, ist eine wirkliche Vorstellung für mich‘, das wirkt auf mich und in diesem Sinn haben alle Götter, sowohl die heidnischen als christlichen eine reelle Existenz besessen. Hat nicht der alte Moloch geherrscht? war nicht der delphische Apoll eine wirkliche Macht im Leben der Griechen? Hier heißt auch Kants Kritik nichts. Wenn jemand sich vorstellt, hundert Thaler zu besitzen, wenn diese Vorstellung ihm keine beliebige, subjektive ist, wenn er an sie glaubt, so haben ihm die hundert eingebildeten Thaler denselben Werth, wie hundert wirkliche. (MEGA I/1: 90; MEW 40: 371)

Die „Wirklichkeit“ einer Vorstellung macht Marx an ihrer praktischen Wirksamkeit fest. Dies gilt aber nicht nur für die tatsächlichen Einbildungen, dies gilt auch für die physisch existenten Gegenstände – sofern es um ihr gesellschaftliches und nicht bloß physisches Dasein geht:

Wirkliche Thaler haben dieselbe Existenz wie eingebildete Götter. Hat ein wirklicher Thaler anders wo Existenz als in der Vorstellung, wenn auch in einer allgemeinen oder vielmehr gemeinschaftlichen Vorstellung der Menschen? Bringe Papiergeld in ein Land, wo man diesen Gebrauch des Papiers nicht kennt und jeder wird lachen über Deine subjektive Vorstellung. Komme mit Deinen Göttern in ein Land, wo andere Götter gelten und man wird Dir beweisen, daß Du an Einbildungen und Abstraktionen leidest. (Ebd.)


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Gesellschaftliche Wirksamkeit eines Gegenstands hängt also an den gemeinschaftlichen Vorstellungen der Menschen und dies gilt sowohl für die Wirksamkeit wirklich existierender als auch nur eingebildeter Gegenstände. Mit diesen Überlegungen hat Marx einen gewaltigen Schritt über Kant hinaus gemacht, hin zu einer Analyse der Gesellschaft gemacht. Statt abstrakt die Frage der Existenz oder Nicht-Existenz von Göttern zu diskutieren, fragt Marx hier im Grunde nach den gesellschaftlichen Bedingungen der Möglichkeit einer gesellschaftlichen Wirksamkeit des Gottesglaubens. Auf diesem Weg treibt er seine Überlegungen dann noch ein Stück weiter: „Was ein bestimmtes Land für bestimmte Götter aus der Fremde, das ist das Land der Vernunft für Gott überhaupt, eine Gegend, in der seine Existenz aufhört.“ (Ebd., Hervorhebung von Marx).

Im „Land der Vernunft“ entfallen die gesellschaftlichen Bedingungen für die gesellschaftliche Wirksamkeit des Gottesglaubens. Die Analogie zum Geld wird allerdings nicht weiter verfolgt. Die Frage, ob nicht nur die besonderen Formen des Geldes ihre Existenz verlieren können, sondern auch das Geld überhaupt, wird von Marx hier nicht aufgeworfen. Zu ihrer Beantwortung fehlen ihm 1841 auch alle Voraussetzungen. Es wird noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis Marx durch die Auseinandersetzung mit dem Proudhon-Schüler Darimon erkennt, dass die Warenproduktion ein selbständiges Tauschmittel nötig macht. Daraus folgt, dass eine Gesellschaft, die ihren Produktionsprozess nicht mehr in der bewusstlosen Form der Warenproduktion organisiert, sondern in einer bewussten und gesellschaftlich koordinierten Weise auch keine Verwendung mehr für eine der Gesellschaft gegenüber verselbständigte Vermittlung wie dem Geld hat. Aber das ist dann eine ganz andere Geschichte.

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Die ersten Begegnungen von Karl Marx mit der Philosophie Immanuel Kants


Schöncke, Manfred (1993): Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister, Bonn: Pahl-Rugenstein Nachfolger.

Schöncke, Manfred (2003): Unbekannte Dokumente über Marx aus der Zeit seines zweiten Bonner Aufenthalts 1841-1842. In: Beiträge zur Marx-Engels Forschung. Neue Folge 2002, S. 278–286.

Sperber, Jonathan (2013): Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert,

München: Beck.


CON-TEXTOS KANTIANOS

International Journal of Philosophy

N.o 8, Diciembre 2018, pp. 17-27 27

ISSN: 2386-7655

Doi: 10.5281/zenodo.2300268

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